Die Spinnerei ERlangen BAmberg

Erlangen und das Textilgewerbe
Die Tradition begann bereits vor über 300 Jahren, als die Hugenotten sich in der Stadt niederließen und die „Strumpfwirkerei“ mitbrachten. In den 40er Jahren des 19. Jh. gab es in Erlangen 3 Schafwollspinnereien mit insgesamt 51 Arbeitern, die in Lohnspinnerei für die Tuchmacher der Umgebung fertigten. Als einige Tuchmacher selbst eigene Betriebe errichteten ging das Spinnereigewerbe in Erlangen zurück. 1861 waren es nur mehr 35 Arbeiter im Spinnereigewerbe. Die Produktion erliegt sogar vollständig.

 

Der Anfang der Erba
1863 gründete eine große Aktiengesellschaft die „Baumwollspinnerei“, die 343 Mitarbeiter beschäftigte. Ein großer Arbeitgeber und Segen für die Stadt. Nur 7 Jahre später, 1870 geht die Spinnerei jedoch in Konkurs. Es war die Folge des amerikanischen Bürgerkrieges, der eine Baumwollkrise und weltweit den Baumwollpreis in den Keller rutschen ließ. Viele Erlanger verloren viel Geld mit ihren Aktien der Spinnerei.
Ein Jahr später, 1871, kaufte Kaufmann Karl Schwarz aus Augsburg die Spinnerei und modernisierte die komplette Industrieanlage. Ermutigt durch erste Gewinnjahre kaufte er in Erlangen noch andere Fabriken und Grundstücke. Die vielen Investitionen schwächten die Firma jedoch so sehr, dass auch er 1879 Konkurs anmelden musste.

 

Wiederum ein Jahr später im April 1880 ersteigerte der Stuttgarter Kaufmann und Spekulant G.E. Stänglen die gesamte Anlage für 810.050 Mark. Einen Monat später verkauft er sie weiter für 1,2 Mio. Mark. Auch heute noch wäre dies ein stolzer Spekulationsgewinn, damals unvorstellbar hoch.

 

Am 4. Mai 1880 ist die Aktiengesellschaft „Spinnerei und Weberei Erlangen“ geboren. Da die Erlanger bereits vorher schlechte Erfahrungen mit dem Aktienkauf machten, kaufte kein Erlanger mehr Aktien der Spinnerei. Vielmehr kauften einige Banken und Fabrikanten aus Stuttgart Aktienpakete. Diesen Aktieninhabern war der Gewinn das Hauptmotiv, sicher nicht, dass die 300 arbeitslosen Spinner wieder in Lohn und Brot kommen konnten. Die Spinnerei nahm sofort den Betrieb auf und erhöhte die Produktionskapazität. Der Betrieb beschäftigte jetzt 389 Arbeiter und erwirtschaftete bereits 1880 einen Reingewinn von 13.209 Mark. Immerhin bereits Gewinn. Im selben Jahr wird ein Teil der Industrie, die Weberei an „Weber & Ott“, ein Unternehmen aus Forchheim verpachtet. Im Aufsichtsrat sitzt auch Kaufmann G.E. Stänglen, als Vertreter der Hofbank Stuttgart. Er hatte durch  Kauf und Verkauf der Spinnerei fast 400.000 Mark verdient.

 

In den ersten Jahren wurden eher wenige Gewinne erwirtschaftet. Man wurde vorsichtig und durch die Vorgeschichte der Spinnerei war man eher auf Bewahren von Kapital als auf mutige Investitionen bedacht. Der Einfluss der Banken als Aktienpaketinhaber machte eine Kapitalzufuhr möglich.

(Die ersten Direktoren waren Karl Kusel, Friedrich Anegger, Adolf Paret, Alfons Escher, Richard Kraner, Richard Heyden.)

 

Im Februar 1899 wurde der Firmenname in „Baumwollspinnerei Erlangen“ umbenannt, da der Webereibetrieb seit Jahren bereits eingestellt wurde. 1904 wurde Albert Rupp Direktor, 1910 wurde Karl Issenmann zusätzlich zum technischen Direktor ernannt. 1913 fusionierte die Baumwollspinnerei mit der Baumwollspinnerei in Wangen/Allgäu. 1927 wurden Fusionsverträge mit der Weberei in Schwarzenbach am Wald und der mechanischen Baumwollspinnerei Bamberg geschlossen. Die vier Werke bildeten zusammen die gesamte Unternehmensstruktur.

 

Ab 1927 erst wurde das aus der Spinnerei Erlangen hervorgegangene Unternehmen „Baumwollindustrie Erlangen-Bamberg“ genannt. Die Kriegsjahre wurden wenig erforscht, jedoch wissen wir, dass die Spinnerei Erlangen-Bamberg in dieser Zeit (ab 1937) die höchsten Umsätze einfuhr. 1953 beschäftigt das Unternehmen 6300 Mitarbeiter. Ein wichtiger Arbeitgeber für die Region. 1964 wurde das Unternehmen umbenannt in „ERBA Aktiengesellschaft für Textilindustrie“. 1972 kam das Unternehmen, das vorher mittels Aktien Banken und Privatleuten gehörte in den Besitz des Glöggler-Konzern. Ein Jahr später kaufte sich Hans Glöggler auch in die Augsburger Kammgarn Industrie ein und hatte die Aktienmehrheit. Nur weitere 3 Jahre später, 1975, brach das Glöggler-Imperium zusammen. 1976 wurde die Sanierung der Baumwollindustrie Erlangen-Bamberg mit Unterstützung von Banken und dem Freistaat Bayern beschlossen. Schließlich standen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. Der Neubeginn erfolgte 1978 unter neuem Namen: ERBA AG. Der Neustart war offensichtlich nicht so erfolgreich wie gehofft. Das Industriegebäude und die ersten Arbeiterwohnungen, ein Teil der Erlanger Textilgeschichte fielen wenige Jahre später, 1983, der Abrissbirne zum Opfer.

 

Das Ende der ERBA
1983 wurde das Firmengelände der ERBA inklusive der ersten Arbeiterwohnungen abgebrochen. Aus heutiger Sicht würde man das Fabrikgelände sicher umnutzen, und unter Erhalt sanieren. So ändert sich der Umgang mit Baukultur…. sollte man meinen. Leider zu spät!

 

1984 bedauerte der in der Region sehr bekannte Architekt Hubert Kress in einem Zeitungsartikel den Abriss und sprach im Zusammenhang mit dem ERBA Abriss über „Versäumte Möglichkeiten“1. Wie es der Zufall will, plant genau jener junge Architekt von damals die Neubauten, die nach dem geplanten Abriss der 30er Jahre Erba-Siedlung 2017 entstehen sollen.

 

Das Erbe der Erba – die Arbeiterkolonie

 

Die ehemalige Arbeitersiedlung der ERBA bestand ursprünglich aus 3 Bauabschnitten. Der erste Bauabschnitt fiel (aus heutiger Sicht sehr bedauerlich) zeitgleich mit dem Abriss des Fabrikgebäudes in den 80er Jahren. Zweiter und dritter Bauabschnitt stehen noch heute. Der zweite Abschnitt aus den Jahren 1906-1913 besteht heute aus Einzeldenkmälern. Der dritte Bauabschnitt begann 1928 mit der Mainstraße 1, und wurde 1939 mit dem letzten Haus Johann-Jürgen-Straße 7 abgeschlossen. Streng genommen gehören auch die Häuser aus den Jahren 1972 dazu. Es waren die letzten Häuser, die durch die Erba erbaut wurden.

 

Wohnungsbau im Textilgewerbe

 

Während andere Industrien erst Arbeiterwohnungen errichteten, als die Wohnungsnot in den Städten dazu zwang, stellte die Textilindustrie bereits vorher Wohnungen zur Verfügung.

 

So war es in der Textilbranche üblich eine werkseigene Wohnung zur Verfügung zu stellen, weil die Löhne vergleichsweise sehr niedrig waren.

 

Die Spinnerei hatte daher auf dem Bausektor eine besondere Bedeutung. Hierbei vermischten sich mehrere freiwillige „Wohlfahrtsmotive“. Einerseits war der soziale Wohnungsbau steuerlich absetzbar und kam dem Betriebsergebnis mehr entgegen als eine Lohnerhöhung. Andererseits wurden die Mitarbeiter mehr an das Unternehmen gebunden und Werkstreue erhofft. Zudem wollte die Fabrikleitung auch Mitsprache und Einfluss außerhalb der Fabriktore haben. Die Vergabe der Wohnungen wurde vom direkten Vorgesetzten entschieden. Die Haus- und Siedlungsordnung war streng, wurde stets eingehalten, denn man war froh ein solches Dach über dem Kopf zu haben.

 


Quellen: 1) Zitat Hubert Kress aus Erlanger Nachrichten, Ausgabe 150, 30.06/01.71984, Artikel: Kunst zum Thema ERBA;

Zusammenfassung und Textausschnitte aus dem Aufsatz: Zur Geschichte der Erlanger Baumwollspinnerei 1880 bis 1927 (Die Anfänge der Erlanger-Bamberger Baumwollspinnerei "Erba") von Gabriela Gotthardt, aus Erlanger Bausteine zur Fränkischen Heimatforschung Band 36, 1988; Herausgeber: Heimatverein Erlangen und Umgebung e.V. (ISSN 0421-3769), sowie dem Erlanger Stadtlexikon; Herausgeben von Ch. Friederich, B. von Haller, A. Jakob; Verlag W. Tümmels 2002; ISBN 3-921590-89-2

 

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Die Spinnerbuzn vom Anger
„Host dir oft denkt, Mensch, wos host do drin g'lossen - und etz ist's weg! Als wenn:S- dir a Stück von deim Herz rausg'rissen hätten" - Ehemalige ERBA-Arbeiterinnen und Arbeiter berichten aus ihrem Alltagsleben im Stadtteil Anger von 1920 bis 1983
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