Text des Bürgerentscheids zur Rettung der ERBA-Siedlung am 07.05.2017

Die Argumente für den Erhalt der Gebäude (Sie stimmen beim Bürgerentscheid mit „JA“)

 

 

Nachverdichtung ja, aber ohne wahllose Zerstörung.

Eine Nachverdichtung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus muss im Sinne der gesamten Stadt Erlangen behutsam und nachhaltig erfolgen und ist nur dort sinnvoll, wo nicht bereits vorhandener lebenswerter Wohn- und Lebensraum zerstört werden muss, der in unserer Stadt immer weniger wird. Stattdessen kann hier auch mittels durchdachter Sanierungskonzepte dringend benötigter alternativer Wohnraum geschaffen werden.

 

Wohnraum muss auch Lebensraum sein.

Durch den Abriss der bestehenden Häuser mit anschließendem Bau von bis zu fünfgeschossigen Riegeln werden nur weitere anonyme Wohnblöcke mit kleinteiligen Wohneinheiten ohne soziale Bindungen geschaffen. Eine Sanierung mit einer möglichst behutsamen und maßvollen Erweiterung der Siedlung, die deren menschlichen Charakter erhält, schafft dagegen die Grundlage für ein Leben in einem gesunden sozialen und familienfreundlichen Umfeld.

  

Alte Häuser sind nicht automatisch baufällig.

Die Gewobau schließt den Erhalt der Häuser wegen des nach ihren eigenen Angaben schlechten Zustands kategorisch aus. Eine Sanierung wurde aber hauptsächlich aus Kostengründen nicht ernsthaft erwogen. Die Bausubstanz ist jedoch trotz oder wegen des Alters der Siedlung in gutem Zustand. Die Wände sind auch für Dachausbauten genügend tragfähig und die nun notwendige Modernisierung von z.B. Heizungen und Sanitäreinrichtungen ist nur eine Folge der jahrzehntelangen Vernachlässigung durch die Gewobau. Die Instandsetzung und Modernisierung der Häuser ist   selbst barrierefrei durchaus möglich.

 

Die Sanierung ist es wert.

Die von der Gewobau veranschlagten Sanierungskosten basieren nur auf deren eigenen Zahlen. Ein unabhängiges Gutachten wurde nicht erstellt. Alternative Möglichkeiten wie Dachausbau oder maßvolle Erweiterungsbauten wurden dabei bisher nicht in Betracht gezogen. Diese sind auch mit zusätzlichen Förderprogrammen finanzierbar. Dadurch könnten Sanierungskosten und Mieten deutlich reduziert werden.

  

Die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt nicht.

Die Zerstörung von bestehenden historischen Bauten und wertvollen Gartenflächen steht in keinem Verhältnis zu dem scheinbaren Zugewinn durch einen Neubau. Auch mittels eines vernünftigen Sanierungskonzeptes mit Ausbau der Dachgeschosse und gezielten Erweiterungen könnten 60-70 Wohnungen geschaffen werden und das sogar bei Erhalt der zugehörigen Gartenanteile. Im Stadtgebiet Anger werden in der Hertleinstraße, Michael-Vogel-Straße, Isarstraße und am Erlanger Weg bereits ca. 400 Wohnungen errichtet. Der Stadtteil leistet somit einen großen und wichtigen Beitrag zur Schaffung von neuem Wohnraum in Erlangen. Anstatt für nur sehr wenig zusätzlichen Raum die vorhandenen Häuser in der historischen Siedlung komplett niederzureißen, ist der Erhalt des dort schon bestehenden Wohnmodells deutlich sinnvoller und auch nachhaltiger.

 

Die ERBA ist ein Stück Erlangen.

Sie war seit ihrer Gründung (1863) und vor allem in den 1920/30er Jahren der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt Sie trug - vor Siemens - erheblich zum Aufstieg der Stadt bei. Schon Anfang des letzten Jahrhunderts hatte die Baumwollspinnerei ein 5 Hektar großes Grundstück gekauft um dort Schritt für Schritt eine Werkssiedlung für ihre Arbeiter zu bauen. Noch heute ist diese Siedlung ein unverwechselbares und erhaltenswertes Aushängeschild Erlangens. Die gefährdeten ERBA-Häuser repräsentieren als Teil der historischen Arbeitersiedlung ein wichtiges Stück Erlanger Stadt-, Kultur-und Industriegeschichte. Durch ihre Bauweise und die anhängenden Nutzgärten prägen sie wesentlich das Stadtbild von Erlangen und den Ortsteil Anger. Zusammen mit den bereits denkmalgeschützten Häusern in der Nachbarschaft bilden die 20er und 30er Jahre-Bauten ein städtebauliches Ensemble und das älteste erhaltene Beispiel für sozialen Wohnungsbau in Erlangen. Auch das städtische Wohngebäude Äußere Brucker Straße 86/88 und die ehemalige Metzgerei Nr. 84 stehen im städtebaulichen Kontext und fügen sich harmonisch in den Gartenstadtcharakter des Viertels ein.